
Und hier der Newsletter Sinnsprüche, den ich regelmäßig bekomme
Gedanken
Wißt ihr, ich habe mir vor einiger Zeit ein besonderes Küchenmesser gekauft. Ein Japanisches. Es ist nicht nur wundervoll anzusehen, es ist auch richtig scharf. Damit zu arbeiten ist ein wahrer Genuss.
Ich mache mir gerne zum Frühstück frisches Obst mit Joghurt, Müsli und Ähnlichem. Bisher habe ich meine Bananen, Orangen und Äpfel mit einem “normalen”, alten Messer geschnipselt. Eines von den, die ich eben schon seit einer kleinen Ewigkeit in meiner Küchenschublade liegen habe.
Bis mir der Gedanke kam, daß ich doch schließlich jeden Tag dieses “Werkzeug” benutze. Überhaupt wollte ich, so meine Überlegung, mich auch dadurch auf’s Wesentliche konzentrieren, in dem ich die Dinge, die mir wichtig sind “richtig” mache. Ohne Kompromisse. Bei dem ganzen “Rest” kann ich ja gerne auf Qualität verzichten - bei den “wesentlichen Dingen” möchte ich jedoch die Freude am Tun vollends geniessen. Ich möchte mich dabei - so nahm’ ich’s mir vor - im Hier und Jetzt ganz auf die jeweilige Tätigkeit konzentrieren.
Glück entsteht oft
durch Aufmerksamkeit
in kleinen Dingen,
Unglück oft
durch Vernachlässigung
kleiner Dinge.
Wilhelm Busch
Natürlich kann ich das auch mit einem “billigen” Werkzeug. Mit einem hochwertigen, ästhetischen Werkzeug dagegen macht “es” mehr Freude. Viel mehr.
Wenn alle Sinne geniessen können und es eben nicht mehr so sehr um das Endergebnis geht - sondern wenn jeder Teilschritt vom Vorbereiten, über’s Zubereiten bis zum Aufräumen und Reinigen zur Zeremonie wird. Dann, wenn der berühmte Weg zum Ziel wird.
Ist nicht das Tun wichtiger
als das fertig werden,
sind nicht die Wünsche wichtiger
als die Erfüllung,
ist nicht das Gehen wichtiger
als das Ankommen?
unbekannter Autor
Es ist nutzlos den Rhythmus des Lebens
forcieren zu wollen.
Die Kunst des Lebens besteht darin zu lernen
allem und jedem die Zeit zu lassen, der es bedarf.
Carlo Petrini - Gründer von Slow Food®
Tja… das hört sich ja alles wunderbar an. Es sollte anders kommen: Gedacht, getan - Anton informiert sich also im Internet über die japanischen Messertypen, über den richtigen Umgang damit… und bestellt schließlich nach ein paar Tagen reiflicher Überlegung sein kleines Kunstwerk. Ein “Santoku” mit rund 30cm Gesamtlänge und schwarzem Holzgriff. Dazu ein formschönes Schneidebrett, quadratisch, in Bambus. Ach - und nicht zu vergessen, zwei verschiedene Schleifsteine, mit denen ich mein zukünftiges Messer auch weiterhin rasierklingen-scharf halten wollte.
Nach zwei Tagen ist es da - auspacken… bewundern… testen: Fein. Einfach hervorragend, wie es durch das “Schnittgut” gleitet.
Dann kommt jedoch das, was uns Menschen stets passiert: Unsere “Lernaufgaben” holen uns ein. In meinem Fall ist es ein tief liegender Glaubenssatz aus meiner Erziehung (wie ich annehme), der besagt, daß jegliches, teuer erstandenes Ding höchst pfleglich behandelt werden muß. Ist ja soweit auch völlig in Ordnung. Etwas überzogen mutiert jedoch dieses Prinzip zu: „Alles muß ein Leben lang halten, mit Samthandschuhen angefasst werden und am besten in einer Vitrine vor Beschädigung und Verschleiß geschützt werden.“
Naja. So ähnlich jedenfalls.
Jetzt sieht es so aus, daß ich mich “immer wieder” dabei ertappe wie ich mein wundervolles Messer “links liegen lasse”… um es zu schonen. Es geht ja so viel schneller und einfacher, die bewährte, alte Billigschneide aus der Schublade zu holen. Zwar liegt das japanische Meisterstück kunstvoll platziert und griffbereit auf dem Bambus-Schneidebrett. Dennoch ist mein internes Programm manchmal zu stark. Hinterher bemerke ich stets, daß der vermeintliche Zeitgewinn (und die vermeintliche Sicherheit) teuer bezahlt wird. Mit Lustverzicht. Es stellt sich sogar heraus, daß der Zeitgewinn genauer betrachtet gar keiner ist! Er löst sich in Luft auf. Denn mit etwas Abstand erkenne ich, daß es - das Obstschneiden - nur ein “mittel zum Zweck” war. Lästig und leider notwendig um schließlich das geschnittene Obst zu bekommen.
Dagegen ist dieses bewußte Ritual, wenn ich mit dem “schönen Messer” arbeite ungleich gehaltvoller. Ja es stellt sich sogar als “Gewinn” heraus, daß ich “mehr Zeit brauche”: Weil ich bewusster vorbereite, achtsamer schneide und ebenso hinterher Messer und Brett liebevoll reinige. Das mag in Minuten gemessen vielleicht doppelt so lange dauern. In „Lebenszeit“ gemessen ist diese jedoch “wirklich gelebte Zeit”. Ganz bei der Sache. Ohne Kompromisse.
Du kannst Dein Leben
nicht verlängern
- nur verTIEFEN.
Nicht dem Leben mehr Jahre,
aber den Jahren
mehr LEBEN geben.
Zähle das Leben nicht
nach Tagen und Jahren.
Zähle die Stunden,
da der ENGEL Dich BERÜHRTE.
Martin Buber
Genuss und Freude aus einer alltäglichen Verrichtung zu ziehen gibt sooo viel tiefe Ruhe. Seelenfreude. Nicht zu vergleichen mit dem monotonen Arbeiten im “Automatik-Betrieb”, wo Gedanken und Sinne zügellos umherstreifen und uns die Zeit wie im Flug vergeht. Sie verrinnt wie Sandkörner zwischen unseren Fingern. Beim achtsamen und bewußten Leben gibt es kein “verrinnen” in diesem Sinne mehr. Das ist dann eher wie ein Fließen. Als wenn wir knietief in einem Fluß stehen. Da würden wir nicht auf den Gedanken kommen, daß irgendwann mal kein Wasser mehr nachkommt oder daß wir etwas verlieren würden.
Nun, als ich letztens eben wieder in der Küche stand, um unser Müsli zuzubereiten - da fiel mir dies eben auf. Und ich bemerkte, daß es sich mit so vielen anderen Dingen in unserem Leben genau so verhält. Ob es um’s Putzen geht oder oft auch um den Beruf - wir machen es notgedrungen, schnell und unachtsam. Stets im „Schnell-Vorlauf-Modus“: Wir Spulen vorwärts um möglichst flott wieder an eine angenehme Stelle zu kommen. Wir sind froh, wenn’s geschafft ist und haben schon Angst vorm’ “nächsten Mal”.
Das ist es, was Ralph Waldo Emerson meint, wenn er sagt:
Wir stehen immer kurz davor zu leben
aber wir leben nie.
Ralph Waldo Emerson
Oder Michael Ende: Er fand diese bildhafte Beschreibung:
Alle Zeit,
die nicht mit dem Herzen
wahrgenommen wird,
ist so verloren,
wie die Farben eines Regenbogens
für einen Blinden
oder das Lied eines Vogels
für einen Tauben.
Michael Ende
Wie wundervoll muss das Leben sein, wenn dieses hektische “etwas-tun-um-endlich-etwas-zu-erreichen” wegfällt. Wenn einfach “alles okay” ist. Wenn wir, bei allem was wir tun, ganz bei der Sache sind. Wenn wir darin aufgehen und Erfüllung daraus schöpfen.
Das Schöne daran ist: Es ist dazu nichts weiter nötig als Bewußtsein. Wir brauchen keine tollen Werkzeuge, kein japanisches Santoku-Messer. Die machen zwar alles noch schöner und angenehmer. Jedoch reicht es völlig aus auf unsere Gedanken zu achten. Oder anders herum, sogar stärker: Es geht kein Weg daran vorbei! An unserem Kopf, an unseren Gedanken. Daran, daß es IN UNS liegt.
Daß sich etwas in unserem Leben nur dann verändert, wenn WIR UNS veränden.
Die Herrschaft über den Augenblick
ist die Herrschaft über das Leben.
Marie von Ebner-Eschenbach
Das Schöne daran ist also, daß Du jetzt sofort damit beginnen kannst. Prüfe, wie Du da sitzt. Was Du denkst. Prüfe, was Deine Sinne empfangen - was alles auf Dich einströmt. Und triff die Wahl, was Du davon wirklich möchtest. Die Besinnung auf’s Wesentliche hat zur Folge, daß wir eben auch “Nein” sagen. Zu den Dingen, die wir nicht haben möchten - Hetze, Unlust, Zeitgewinn, Effizienz etc.
Wir sagen dann, wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren zu allen anderen “nein”. Und wir sagen zu unserem Leben, zu uns selbst: “JA”.
Weniger ist eben doch oftmals mehr.
Ich wünsche Dir nun eine schöne Woche.
Ich wünsche Dir, daß Du Dir die Zeit und Kraft nimmst, eine kleine, alltägliche Sache in Deinem Leben zum “Ritual” zu erheben. Bis schließlich aus dem ersten Schritt dieser kleinen Zeremonie weitere folgen.
Bis letztendlich das ganze Leben zu einem einzigen, wundervollen Ritual geworden ist.
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Ich freue mich natürlich, wenn Du die "Sprüche der Woche" an Freunde und Bekannte weiterleitest - dies ist ausdrücklich erwünscht… vielen Dank!
© Anton Korduan, www.korduan.de
Tags: Das Leben als Ritual, Newsletter, SinnSprüche




































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